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F1-Boss rechnet mit nörgelnden Zuschauern ab: „Vielleicht sollten alte Fans mal…“

F1-Boss rechnet mit nörgelnden Zuschauern ab: „Vielleicht sollten alte Fans mal…“
MONZA, ITALY - SEPTEMBER 07: Stefano Domenicali, CEO of the Formula One Group and Mohammed ben Sulayem, FIA President in parc ferme during the F1 Grand Prix of Italy at Autodromo Nazionale Monza on September 07, 2025 in Monza, Italy. (Photo by James Sutton - Formula 1/Formula 1 via Getty Images)

Während ein Großteil der Fans über künstliche Überholmanöver und Jo-Jo-Effekte im Feld klagt, spielt Formel-1-CEO Stefano Domenicali die historische Karte aus.

Laut dem Italiener gibt es nämlich nichts Neues unter der Sonne, und Puristen würden Nostalgie mit objektiver Kritik verwechseln.

Mit einer nahezu gleichen Aufteilung zwischen dem Verbrennungsmotor und einem deutlich erweiterten Hybridsystem liegt bei den 2026er-Autos mehr Gewicht denn je auf dem Energiemanagement.

Die Folge ist, dass die Piloten mehrmals pro Runde vom Gas gehen müssen, um die Batterie aufzuladen. Das führt zu sogenannten Jojo-Duellen, bei denen ein Überholmanöver bereits wenige Kurven später wieder gekontert wird. Für viele Fans fühlt sich das nicht wie echtes Racing an.

Stefano Domenicali versteht den Ärger, ordnet diesen jedoch in einen breiteren Kontext ein. In einem Gespräch mit Autosport verwies er auf die Turbo-Ära in den achtziger Jahren. Auch damals mussten die Fahrer aufgrund kleiner Tanks bereits sparsam mit ihrem Kraftstoff umgehen.

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Kurzes Gedächtnis

„Die Leute haben ein kurzes Gedächtnis, denn in der Turbo-Ära der achtziger Jahre gab es bei den verschiedenen Turbos ebenfalls Lift-and-Coast“, so Domenicali. „Vielleicht haben einige ältere Fans, die kritisch sind oder Kommentare abgeben, ein etwas kürzeres Gedächtnis.“

Artikel geht unter dem Video mit Domenicali weiter.

Dass der CEO historische Vergleiche zieht, ist kein Zufall. Die Kritik am 2026er-Reglement war bereits laut, bevor auch nur ein einziger Rennkilometer absolviert wurde.

Sowohl Max Verstappen als auch Lewis Hamilton äußerten sich während der Wintertests in Bahrein kritisch. Hamilton fand die Regeln zum Energiemanagement zu kompliziert, um sie den Fans zu erklären. Verstappen bezeichnete das Ausmaß der benötigten Energierückgewinnung als einen Angriff auf die Essenz des Rennsports selbst.

Domenicali reagierte bereits damals gereizt auf diese frühe Kritik. Die elektrische Spitzenleistung wurde bei den neuen Motoren auf 350 Kilowatt verdreifacht, wodurch Lift-and-Coast an mehreren Stellen pro Runde notwendig ist, um die Batterie zu laden. Für Verstappen war das Grund genug, die Formel als „Formula E auf Steroiden“ zu bezeichnen.

Eine Frage der Anpassung

Domenicali tat solche Aussagen ab und stellte fest, dass sich der beste Fahrer an die Evolution des Fahrstils anpassen werde.

Die Fans scheinen ihm vorerst nicht zuzustimmen. In einer Umfrage unter mehr als 3.500 Lesern von Motorsport.com Niederlande gab mehr als die Hälfte an, die neue Formel aufgrund des Energiemanagements „sehr schlecht“ zu finden. Weitere sechzehn Prozent hielten die Regeln schlichtweg für keine Verbesserung.

Das bedeutet, dass mehr als zwei Drittel der befragten Fans ausgesprochen negativ eingestellt sind. In den Kommentaren finden sich Schlagworte wie „künstlich“, „keine Fahrkunst mehr“ und „die Seele ist verloren“ immer wieder.

Domenicali räumt ein, dass noch Arbeit vor ihnen liegt, bleibt aber optimistisch, was die Richtung des Sports angeht. Er weist darauf hin, dass die weltweite Fangemeinde einen historischen Höchststand erreicht hat und Anpassungen am Reglement ernsthaft mit der FIA und den Teams diskutiert werden.

Diese Gespräche konzentrierten sich zuletzt unter anderem auf die Senkung der maximalen elektrischen Leistung und die Anpassung der Ladelimits. Eine fundamentale Überarbeitung der 50-50-Leistungsverteilung erwies sich für die Motorenhersteller kurzfristig als technisch nicht machbar.

Die Frage bleibt, ob historische Vergleiche ausreichen, um die Zweifel zu zerstreuen. Die Turbo-Ära der achtziger Jahre ist in der Erinnerung vieler nämlich als glorreiche Zeit brüllender Monster und spektakulärer Überholmanöver verankert. Ob diese Erinnerungen mit der damaligen Realität übereinstimmen, steht auf einem anderen Blatt. Domenicali wettet dagegen. „Was ist künstlich? Ein Überholmanöver ist ein Überholmanöver“, so der Italiener.

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