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Steuerbehörden nehmen Formel-1-Piloten ins Visier: Es geht um Millionen

Steuerbehörden nehmen Formel-1-Piloten ins Visier: Es geht um Millionen

Für den Großteil des Formel-1-Zirkus beginnt die Quittung für jahrelange Rennen in Italien erst jetzt so richtig teuer zu werden.

Die Guardia di Finanza in Bologna hat umfangreiche Ermittlungen gegen ausländische Rennställe und deren Fahrer eingeleitet. Laut italienischen Medienberichten steht eine potenzielle Nachforderung im Raum, die sich auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen könnte.

Auslöser ist eine Anzeige des Bologneser Anwalts Alessandro Mei vom Juni 2025. Darin thematisiert er das mutmaßlich strukturelle Fehlen abgeführter Lohnsteuern an den italienischen Fiskus.

Il Resto del Carlino war die erste Zeitung, die die Nachricht vergangene Woche veröffentlichte. Laut dem Regionalblatt aus Bologna konzentrieren sich die Fiamme Gialle zunächst nicht auf die Fahrer selbst, sondern auf die Teams mit Sitz außerhalb Italiens.

Diese müssen nämlich als sogenannte sostituto d’imposta auftreten. Das bedeutet, dass die Teams verpflichtet sind, Quellensteuer auf die Gagen ihrer Fahrer für jene Arbeit einzubehalten, die auf italienischem Boden verrichtet wird. Dieser Einbehalt soll der Anzeige zufolge über Jahre hinweg nicht erfolgt sein.

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Eine alte Problematik

Neu ist das Problem nicht. Bereits 2020 stellten die Senatoren Enrico Aimi, Antonio Barboni und Anna Maria Bernini (inzwischen Ministerin für Universitäten und Forschung) im Namen der Forza Italia parlamentarische Anfragen an das Wirtschafts- und Finanzministerium, in denen sie den Finger in dieselbe Wunde legten.

Die Materie war jedoch zu sensibel und zu komplex, um politische Unterstützung zu finden. Anwalt Mei ist es nun jedoch gelungen, einen Durchbruch zu erzwingen, indem er sein Dossier nicht nur der Finanzpolizei, sondern gleichzeitig auch den Rechnungshöfen der Lombardei, der Emilia-Romagna und der Toskana vorgelegt hat – also jenen drei Regionen, in denen Monza, Imola und Mugello liegen.

Mei stützt seinen Fall auf die Arbeit des Bologneser Steuerexperten Emilio De Santis, einem Spezialisten für Steuerfragen rund um Profisportler und insbesondere Formel-1-Piloten.

„Es ist selbstverständlich, dass Sportler, die in Italien Einkommen generieren, dies auch dann angeben und in unserem Land Steuern zahlen müssen, wenn sie im Ausland wohnen“, so Mei in einer Erläuterung gegenüber der italienischen Presse.

Monaco bietet keinen Freibrief

Die Angelegenheit deckt eine schmerzhafte Realität auf, über die das Fahrerlager lieber schweigt. Neun der derzeit zwanzig Fahrer haben ihren Wohnsitz in Monaco gemeldet, da im Fürstentum keine Einkommen- und Vermögenssteuer erhoben wird.

Darunter befinden sich Max Verstappen, Lewis Hamilton, Lando Norris und George Russell. Lediglich Charles Leclerc ist gebürtiger Monegasse. Andere Piloten haben die Schweiz als steuerliche Heimat gewählt.

Dieses Steuerparadies schützt jedoch nicht vor der Steuerpflicht für Arbeit, die physisch in einem anderen Land verrichtet wird.

Welche Teams bleiben verschont?

Laut Automoto.it scheint fast das gesamte Starterfeld von den Ermittlungen betroffen zu sein. Lediglich Ferrari und Racing Bulls sind ausgenommen, da beide Teams ihren Sitz in Italien haben.

Der Rest des Feldes muss sich auf Fragen aus Bologna einstellen. Die Zeitung Libero Quotidiano weist zudem darauf hin, dass sich die Anzeige von Mei spezifisch auf möglicherweise nicht abgeführte Steuern für die Grands Prix in Imola 2020 und 2021 bezieht.

Vorerst handelt es sich rein um administrative Kontrollen. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wurde noch nicht eröffnet, wie sowohl Il Resto del Carlino als auch Sport e Finanza bestätigen.

Die italienische Steuerbehörde soll laut RacingNews365 inzwischen auch Briefe an die Fahrer verschickt haben, mit der Aufforderung, eine Steuererklärung für das Geschäftsjahr 2025 abzugeben und Einblick in Fahrer- sowie Sponsorenverträge zu gewähren.

Mei bleibt unterdessen aktiv. Am vergangenen Montag reichte er eine ähnliche Anzeige beim Rechnungshof von Latium ein, die sich auf die Formel-E-Rennen in Rom bezieht.

Der Anwalt scheint entschlossen zu sein, das italienische Steuersystem in der gesamten Breite des internationalen Motorsports durchzusetzen.

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