Formel 1

Frau auf dem Weg in die Formel 1: „Unrealistisch“

Frau auf dem Weg in die Formel 1: „Unrealistisch“
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Mercedes schreibt Geschichte mit Test für F1-Academy-Champion Pin

Doriane Pin kletterte an diesem Wochenende im Namen von Mercedes hinter das Steuer eines echten F1-Boliden und wurde damit zur ersten Rennfahrerin überhaupt, die ein Fahrzeug der Marke mit dem Stern aus der Königsklasse pilotieren durfte.

Die Französin war zudem die erste weibliche Pilotin ihres Landes, die jemals ein modernes F1-Auto zum Einsatz brachte.

Die 20-jährige Pin absolvierte in Silverstone insgesamt 76 Runden, was etwa 200 Kilometern entspricht. Das Team aus Brackley setzte sie im W12 ein – jenem Auto, mit dem Lewis Hamilton und Valtteri Bottas im Jahr 2021 den Konstrukteurstitel gewannen.

Für Pin war es nach monatelanger Vorbereitung im Simulator in der Fabrik des Teams das erste echte Kennenlernen mit einem modernen Formel-1-Boliden.

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Erste Frau am Steuer eines Mercedes-F1-Boliden

Seit Einführung der aktuellen Generation der Hybrid-Power-Units durften nur eine Handvoll Frauen in einem F1-Auto Platz nehmen. Tatiana Calderón fuhr 2018 für Sauber hundert Kilometer im Rahmen eines Filmtags in Mexiko, danach blieb es fünf Jahre lang still.

Jessica Hawkins stieg im September 2023 für einen Test mit Aston Martin auf dem Hungaroring ein, wo sie 26 Runden im AMR21 absolvierte. Pin ist damit erst die zweite Rennfahrerin, die seit 2018 am Steuer eines zeitgemäßen F1-Boliden Platz nahm.

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Das letzte Freie Training, das von einer Frau bestritten wurde, datiert aus dem Jahr 2015, als die heutige F1-Academy-Chefin Susie Wolff für Williams in Silverstone zum Einsatz kam.

Pin baut Schritt für Schritt eine beeindruckende Erfolgsbilanz auf. Sie begann im Alter von neun Jahren mit dem Kartsport und sicherte sich 2019 den französischen Meistertitel in der Frauenkategorie.

Danach folgte der Durchbruch im Langstreckensport mit den Iron Dames, inklusive des Sieges in der Ferrari Challenge Europe 2022 und eines Klassensieges bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps im selben Jahr.

Toto Wolff holte sie an Bord

2023 wurde sie im WEC als erste Frau zur „Revelation of the Year“ gewählt. Mercedes holte sie 2024 in sein Juniorteam, woraufhin Toto Wolff sie im Januar dieses Jahres zur Entwicklungsfahrerin beförderte. Zudem bekleidet sie eine ähnliche Rolle beim Peugeot-Werksteam im WEC.

Den Titel in der F1 Academy verpasste Pin im Jahr 2024 nur knapp. Sie beendete das Jahr als Zweite hinter Abbi Pulling. Im vergangenen November behielt sie in Las Vegas schließlich die Oberhand, indem sie ihre Rivalin Maya Weug von MP Motorsport mit fünfzehn Punkten Vorsprung hinter sich ließ.

Die Französin konnte auf Unterstützung aus der gesamten Organisation zählen. Susie Wolff sprach persönlich in einer Videobotschaft zu ihr, die Mercedes über die sozialen Medien teilte, und gab Tipps zum Umgang mit der Leistungsentfaltung auf den Geraden sowie der berühmten Maggots-und-Becketts-Sektion. Auch George Russell und Andrea Kimi Antonelli besuchten die Boxengasse, um dem Test beizuwohnen.

„Heute zum ersten Mal in einem F1-Auto zu fahren, fühlte sich unwirklich an. Ich bin unheimlich dankbar für diese Chance und dafür, von so einem fantastischen Team umgeben zu sein“, so Pin im Anschluss. „Der W12 ist völlig anders als alles, was ich bisher gefahren bin. Alles ist massiver, kraftvoller und fühlt sich komplett anders an. Ich bin froh, dass ich Runde für Runde Selbstvertrauen aufbauen und zeigen konnte, wozu ich fähig bin.“

Voller Terminkalender für Pin

Neben ihrer Arbeit bei Mercedes absolviert Pin in diesem Jahr ein volles Rennprogramm in der European Le Mans Series. Dort teilt sie sich in der LMP2-Klasse einen Boliden mit dem Niederländer Richard Verschoor und Julien Andlauer für das Duqueine-Team.

Vor einigen Wochen holte das Trio beim Saisonauftakt in Barcelona ein Podium. Später im Jahr stehen zudem die 24 Stunden von Le Mans auf ihrem Plan. Pin ließ bereits früher verlauten, dass ihr ultimativer Traum ein Platz im F1-Grid ist, auch wenn sie weiß, dass dafür noch viel Arbeit nötig ist.

„Das Ziel meiner Rennsaison ist es, Meisterin zu werden und bei den 24 Stunden von Le Mans eine gute Leistung abzuliefern. Wenn wir dort ein schönes Ergebnis erzielen, kann das wieder neue Türen öffnen“, sagt Pin.

„Indem ich meine Arbeit bei Mercedes mit meinem eigenen Rennprogramm kombiniere, hoffe ich, dass sich beides gegenseitig verstärkt und neue Möglichkeiten entstehen, um mein endgültiges Ziel zu erreichen.“

Die letzte Frau, die einen Grand Prix bestritt, ist nach wie vor die Italienerin Lella Lombardi. Sie ging 1975 und 1976 bei einer Handvoll Rennen an den Start und gilt bis heute als die einzige Rennfahrerin, die jemals WM-Punkte erzielt hat.

Ob Pin jemals in ihre Fußstapfen treten kann, wird die Zukunft zeigen, aber mit dem Test am Samstag hat sie jedenfalls einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht.

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