Formel 1

F1-Champion entzaubert Mercedes: „Das Auto ist im Verkehr einfach nicht konkurrenzfähig“

F1-Champion entzaubert Mercedes: „Das Auto ist im Verkehr einfach nicht konkurrenzfähig“

Kimi Antonelli siegt beim Japan-GP: Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve zeigt sich von der Performance wenig begeistert.

Antonelli startete von der Pole-Position, verlor jedoch beim Erlöschen der Ampeln sofort an Boden. Was genau schiefgelaufen ist, wurde noch nicht vollständig geklärt, aber das Ergebnis war eindeutig: Der 19-jährige Mercedes-Pilot fiel in der ersten Runde von Rang eins auf sechs zurück, während Oscar Piastri die Führung des Feldes übernahm.

Dass Mercedes beide Autos in der ersten Startreihe platziert hatte, erwies sich nicht als Vorteil. Beide Fahrer verloren beim Start Positionen und mussten sich in der Folge durch den Verkehr kämpfen.

Dies gelang Antonelli mit wechselhaftem Erfolg. Er arbeitete sich zwar wieder auf den vierten Platz vor, konnte das Führungstrio jedoch zunächst nicht erreichen. Bis ihm das Schicksal zur Hilfe eilte: Ein schwerer Crash von Oliver Bearman rief das Safety-Car auf die Strecke – und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als Antonelli als einziger Fahrer der Spitzengruppe noch nicht an der Box gewesen war.

Er konnte den Stopp „billig“ absolvieren und kehrte als Führender auf die Strecke zurück. Danach fuhr er souverän zum Sieg, mit einem Vorsprung von 14 Sekunden auf Piastri.

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Ein verpatzter Start

Villeneuve zog nach dem Rennen seine Schlüsse. „Er hatte das ganze Wochenende über das schnellste Auto. Dass er gewann, war logisch. Aber er hat seinen Start komplett verpatzt. Verdient er den Sieg dann wirklich? Wer weiß,“ so der Weltmeister von 1997.

Villeneuve wies damit auf einen Punkt hin, der in der Euphorie um Antonellis zweiten Saisonsieg leicht übersehen wird: Mercedes hat ein strukturelles Problem beim Start und beim Fahren im dichten Verkehr.

„Es wirkte, als ob dieses Auto im Zweikampf nicht so gegenhalten kann wie andere Fahrzeuge. Der Mercedes braucht freie Fahrt. Mit ein wenig Hilfe des Safety-Cars hat er diesen Vorteil dann optimal genutzt. Das hat er gut gemacht. Und wenn man ein Rennen gewinnen will, muss man Situationen eben zu seinem Vorteil nutzen,“ erklärte Villeneuve.

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Der Brite verlor beim Start ebenfalls Plätze und hatte danach das gesamte Rennen über zu kämpfen. Das hatte mehrere Ursachen. Mercedes hatte kurz vor dem Qualifying eine Setup-Änderung vorgenommen, die nach hinten losging.

Russell bemerkte das sofort. „Es war wirklich seltsam. Wir haben kurz vor dem Qualifying eine Änderung an der Abstimmung vorgenommen, und danach fühlte sich das Auto einfach nicht mehr so an wie den Rest des Wochenendes. Man hat meine ersten Runden in Q1 gesehen: Ich lag um P7 und P8. Wir mussten während des Qualifyings eine massive Anpassung am Frontflügel vornehmen, um gegenzusteuern,“ so Russell im Ziel.

Teamchef Toto Wolff räumte nach dem Rennen ein, dass das Team hier gepatzt hat. „Das Wochenende lief gegen ihn, angefangen beim Qualifying mit dem Setup. Danach ging auch im Rennen alles schief. Der Start war nicht gut, das müssen wir angehen. Und später hatten wir ein unbeabsichtigtes Energy-Clipping bei der Energierückgewinnung, was ihn die Position gegen Leclerc kostete. Dadurch ging es für ihn nach hinten,“ erklärte Wolff.

Russell beendete das Rennen als Vierter. Er konnte Leclerc zwischenzeitlich zwar überholen, die Position aber nicht behaupten. Es war das erste Rennen der laufenden Saison, bei dem Russell das Podium verpasste, nachdem er in Australien und China jeweils Dritter geworden war. Antonelli führt die Meisterschaft nun mit neun Punkten Vorsprung an und ist damit der jüngste Pilot der Geschichte, der die WM-Wertung in der Formel 1 anführt.

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Der Start ist bei Mercedes nämlich ein wiederkehrendes Problem. In Japan verlor Antonelli beim Start sechs Positionen in einer einzigen Runde – ein Muster, das sich bereits in früheren Rennen abgezeichnet hatte.

Das Team ist sich dessen bewusst, und Wolff gab explizit an, dass dies ein Schwerpunkt für die kommende Pause sein wird. Die Frage ist, wie tiefgreifend das Problem ist. Ein schlechter Start lässt sich bei einem Auto mit dem Speed des W16 kompensieren, sofern freie Fahrt herrscht. Doch Villeneuve legt den Finger in die Wunde: Was passiert, wenn diese freie Fahrt fehlt?

Im Verkehr scheint der Mercedes weniger effektiv zu sein als die Rivalen von McLaren und Ferrari. Das hängt damit zusammen, wie sich die Hybrid-Power-Unit unter dem neuen Reglement im Windschatten und bei geringem Abstand zu anderen Fahrzeugen verhält.

Das Energiemanagement wird komplexer, sobald sich ein Fahrer im Kielwasser eines Konkurrenten befindet, und das scheint den Mercedes stärker zu treffen als die Konkurrenz. Antonelli hatte in Japan schlicht keine andere Wahl, als auf eine Chance von außen zu warten. Diese Chance bot sich ihm durch das Safety-Car.

Antonelli schafft, was Russell nie gelang

All das ändert nichts daran, dass Mercedes derzeit die mit Abstand stärkste Kraft ist. Drei Rennen, drei Siege – alle durch Antonelli. Zwei dieser drei Siege beinhalteten ein Element von glücklichem Timing oder strategischem Dusel. Das schmälert die Leistung nicht, rückt das Bild aber in ein anderes Licht.

Japan war das erste Rennen, in dem Russell rein vom Speed her hinter seinem Teamkollegen landete. Nun steht Antonelli nach zwei Siegen in Folge an der Spitze – ein Kunststück, das Russell in seiner gesamten Karriere bisher verwehrt blieb.

Analyst Robert Doornbos zog bei Ziggo Sport ein hartes Fazit. „Dieses Magische, was Antonelli jetzt schon in seiner zweiten Saison zeigt, das hat George nicht,“ so Doornbos.

Ob Mercedes in Zukunft eine Entscheidung treffen muss, sollte Verstappen verfügbar sein, wird im Fahrerlager bereits diskutiert – doch das ist vorerst noch Zukunftsmusik.

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