Formel 1

Williams setzt auf Claude: KI entscheidet über die Rennstrategie

Williams setzt auf Claude: KI entscheidet über die Rennstrategie
SHANGHAI, CHINA - MARCH 21: Carlos Sainz of Spain and Williams looks on in the garage during practice ahead of the F1 Grand Prix of China at Shanghai International Circuit on March 21, 2025 in Shanghai, China. (Photo by Clive Rose/Getty Images)

Wie Künstliche Intelligenz die Formel 1 von innen heraus verändert.

Acht neue KI-Deals in nur sechs Monaten. Mit dieser Vehemenz drängen Tech-Unternehmen derzeit in die Formel 1.

Das Marktforschungsunternehmen Ampere Analysis behauptet, dass Technologie in der vergangenen Saison die größte Ausgabenkategorie für die F1-Teams war, mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 769 Millionen Dollar. Das entspricht einer Steigerung von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Namen, die nun mit den Teams assoziiert werden, sind bemerkenswert. Williams arbeitet mit Anthropic’s Claude zusammen. McLaren hat seine langjährige Kooperation mit Google von der Pixel-Hardware auf Gemini ausgeweitet.

Red Bull hat die Verbindung zu Oracle intensiviert, wobei der Fokus auf fortschrittlicher Entscheidungsfindung statt auf einfachen Suchanfragen liegt. Aston Martin begrüßte CoreWeave als GPU-Cloud-Partner für seine aerodynamischen Berechnungen.

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KI ist für Rennsimulatoren unverzichtbar

Was diese Partnerschaften vom traditionellen F1-Sponsoring unterscheidet, ist die operative Rolle, die diese Akteure in der Praxis spielen. Ein Logo auf der Seitenwand des Autos reicht längst nicht mehr aus.

Ingenieure von Anthropic arbeiten direkt mit dem Strategieteam von Williams zusammen. Sogenannte „Agents“ von Oracle beeinflussen die Entscheidungen von Red Bull in der Boxengasse. Sponsoring und operative Software sind in vielen Fällen eins geworden.

Laut Google Cloud führt McLaren vor jedem Grand Prix fast 300 Millionen Rennsimulationen durch. Reifenkombinationen und Boxenstopp-Strategien werden dabei in einer Quantität generiert, die für einen menschlichen Strategen schlicht unrealistisch ist.

Der KI-Chef von McLaren bezeichnete die Genauigkeit der resultierenden Vorhersagen im Vergleich zu den tatsächlichen Rennergebnissen als „beinahe unheimlich“.

Ferrari hat mit Amazon SageMaker maßgeschneiderte Modelle entwickelt, mit denen CFD-Simulationen bis zu 60 Prozent schneller ablaufen. Mercedes kombiniert die Algorithmen von G42 mit SAP-Unternehmenssystemen.

McLaren nutzt tragbare Mikro-Rechenzentren an der Rennstrecke, um den digitalen Zwilling des Fahrzeugs in Echtzeit zu aktualisieren.

Racing Bulls arbeitete bereits vor der Reglementänderung mit Neural Concept zusammen, um aerodynamische Konfigurationen zu bewerten, deren physische Erprobung innerhalb der FIA-Testbeschränkungen unmöglich gewesen wäre.

Auch die Formel 1 selbst hat KI-Workflows auf AWS-Basis aufgebaut, um Probleme an Renntagen schneller zu bewältigen. Telemetrie-Abweichungen werden effizienter priorisiert, wodurch die Zeitspanne zwischen einem Vorfall und der TV-Übertragung verkürzt wird.

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Doch es gibt auch Vorbehalte. Die Budgetobergrenze von 135 Millionen Dollar pro Team sollte eigentlich ein Wettrüsten bei der Rechenkapazität verhindern.

Die Frage ist, wie die FIA mit der von Partnern bereitgestellten KI-Infrastruktur verfährt – etwa kostenlose GPUs, abgestellte Ingenieure und Cloud-Guthaben. Ob diese Beiträge unter den Cost Cap fallen, ist daher ein wunder Punkt.

Ein zweiter Aspekt betrifft den menschlichen Faktor. F1-Strategen entwickeln über Jahre eine Intuition, die Software nicht vollständig ersetzen kann. Zudem wird der marginale Vorteil schwinden, wenn jedes Team über vergleichbare KI-Tools verfügt.

Die Implementierung bei Williams ist auch für Anthropic selbst strategisch interessant. Das Unternehmen gründet gemeinsam mit Blackstone und Goldman Sachs einen KI-Dienstleister für Großunternehmen im Wert von 1,5 Milliarden Euro.

Das Rennumfeld bei Williams fungiert als Demonstrationsplattform für Claude unter hohem Druck. Was in der Boxengasse funktioniert, wird von jedem wahrgenommen, der das Team verfolgt.

Während des Rennens in Miami simulierten die Claude-Strategen von Williams Millionen von Szenarien auf Basis von Live-Telemetriedaten. Die Gemini-Simulationen von McLaren wurden an drei eigenen Boxenstopp-Entscheidungen gemessen. Die Oracle-Software von Red Bull lieferte Vorhersagen, die sich nach dem Fallen der Zielflagge als korrekt erwiesen.

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