Formel 1

Mercedes unter Beschuss: Rückendeckung aus unerwarteter Richtung

Mercedes unter Beschuss: Rückendeckung aus unerwarteter Richtung
Toto Wolff after the Formula 1 Chinese Grand Prix at Shanghai International Circuit in Shanghai, China on March 15, 2026. (Photo by Jakub Porzycki/NurPhoto)

Mercedes-Zoff um Konkurrenz-Kritik: Toto Wolff erhält nach Beschwerdewelle Rückendeckung

Juan Pablo Montoya hat keine Geduld mehr für die anhaltenden Beschwerden über Mercedes. Der ehemalige Formel-1-Pilot ist der Überzeugung, dass die Konkurrenten des deutschen Herstellers gut daran täten, ihre Energie eher in die eigene technische Entwicklung zu stecken, anstatt bei der FIA Lobbyarbeit zu betreiben.

Der Streit dreht sich um das Verdichtungsverhältnis der 2026er-Motoren. Für die neue Ära senkte die FIA das zulässige Verhältnis von 18:1 auf 16:1, teilweise um neuen Herstellern wie Audi und Red Bull Powertrains eine bessere Chance auf Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen.

Das Problem liegt dabei weniger im Verhältnis selbst, sondern vielmehr darin, wie dieser Wert von der FIA kontrolliert wird. Das Reglement schrieb vor, dass die Messung bei Umgebungstemperatur und kaltem Motor zu erfolgen hat.

Die Konkurrenten von Mercedes vermuten, dass der deutsche Konzern bei Betriebstemperatur ein höheres Verhältnis erreicht, das näher am alten Maximum von 18:1 liegt. Dies würde mehr Leistung und Effizienz generieren, während der Kalt-Test dennoch bestanden wird.

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Montoya schlägt sich auf die Seite von Wolff

Audi, Ferrari und Honda schickten gemeinsam ein Schreiben an die FIA, um Klarstellung zu fordern. Toto Wolff reagierte bei der Teamvorstellung des W17 gereizt.

„Ich verstehe nicht, dass manche Teams mehr mit anderen beschäftigt sind als mit sich selbst.”

„Die Kommunikation mit der FIA war immer positiv und transparent. Der Motor ist legal. Macht einfach euren eigenen Job gut”, so Wolff.

Montoya schließt sich der Meinung von Wolff an. Die Hersteller müssten sich selbst mehr anstrengen, statt sich über Mercedes zu beklagen.

„Es ist ein wenig bizarr zu behaupten, dass es nicht in den Regeln steht.”

„Wenn die Regel besagt, dass bei einer bestimmten Temperatur gemessen wird und man diese Messung erfüllt, dann ist der Motor legal. Das ist es, was die Regel besagt.”

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„Das ist die Schönheit der Formel 1: Wege zu finden, die Grenzen des Reglements auszuloten, besser zu sein als der Rest und Dinge zu tun, die sonst niemand kann.”

„Und wenn man sich darüber beschwert, warum versucht man es dann nicht selbst?”, so Montoya gegenüber RacingNews365.

Die FIA entschied sich für einen Kompromiss. Ab dem 1. Juni 2026 werden die Verdichtungsverhältnisse sowohl kalt als auch bei 130 Grad Celsius gemessen. Ab 2027 entfällt die Kaltmessung vollständig.

Das bedeutet, dass Mercedes diesen Vorteil bis einschließlich zum Grand Prix von Monaco ausspielen kann, wonach das achte Saisonrennen in Kanada das erste sein wird, bei dem die neuen Messungen greifen.

FIA-Direktor Nikolas Tombazis räumte ein, dass die Formulierung des Reglements nicht robust genug war, um das angestrebte Ziel vollständig zu erreichen.

Der Effekt des vermeintlichen Schlupflochs wird auf zehn bis dreizehn Pferdestärken geschätzt, was einem Vorteil von 0,2 bis 0,3 Sekunden pro Runde entsprechen würde. Max Verstappen behauptete sogar, dass der Vorteil noch größer sei, nämlich zwanzig bis dreißig PS und eine halbe Zehntelsekunde mehr.

Sky-Sports-Expertin Bernie Collins warf jedoch eine logische Frage auf: Wenn es rein das Verdichtungsverhältnis wäre, das Mercedes so schnell macht, müssten auch die vier Mercedes-Kundenteams McLaren, Williams und Alpine ganz vorne stehen, was jedoch nicht der Fall ist.

Martin Brundle nannte die Angelegenheit einen Sturm im Zylinder. McLaren verstehe die Mercedes-Power-Unit nämlich noch nicht so gut wie das Werksteam selbst und liegt in der Konstrukteurswertung mit einem Rückstand von 89 Punkten auf Mercedes auf Rang drei.

Williams und Alpine schneiden noch schlechter ab. Dies deutet darauf hin, dass das Verdichtungsverhältnis höchstens einer von vielen Faktoren ist und sicher nicht die alleinige Erklärung für die Überlegenheit der Silberpfeile darstellt.

Am Ende der Saison wird sich zeigen, wie groß der tatsächliche Vorteil von Mercedes war. Doch Montoyas Punkt bleibt bestehen: Die Formel 1 hat schon immer von der findigen Nutzung von Grauzonen gelebt. Es liegt an den Konkurrenten, es ihnen gleichzutun.

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