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Kfz-Mechaniker zieht die Reißleine: „Ich kaufe kein neues Auto mehr“

Kfz-Mechaniker zieht die Reißleine: „Ich kaufe kein neues Auto mehr“
Von A. Schenk Heute um 15:27

Preisgekrönter Mechaniker erklärt: Warum ich einen großen Bogen um den Showroom mache

Ein Kia Sportage-Fahrer in Italien erhielt kürzlich eine Rechnung über 13.076 Euro, nachdem der Händler das gebogene Panoramadisplay in seinem Armaturenbrett ausgetauscht hatte. Allein das Bauteil schlug mit 10.456 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zu Buche, während das SUV in Spanien neu bereits ab 35.820 Euro erhältlich ist.

Es ist genau die Art von Rechnung, vor der der spanische Kfz-Mechaniker Javier Sendín warnt. Im Jahr 2023 gewann er in seinem Heimatland den Titel Workshop MVP, eine Wahl zum besten Mechaniker des Jahres, doch ein Neuwagen steht bei ihm keineswegs auf dem Wunschzettel.

„Ehrlich gesagt habe ich heutzutage keine Lust, ein neues Auto zu kaufen“, so Sendín im Gespräch mit Mundo Deportivo. Moderne Modelle seien seiner Meinung nach „viel teurer im Unterhalt“, da sie vollgestopft mit Fahrassistenzsystemen, Konnektivität und Komforttechnologie sind, die bei einem Defekt massiv ins Geld gehen.

Zahlen aus dem jüngsten Bericht „The (Un)sustainable Aftermarket“ geben ihm recht. Im Durchschnitt enthält ein heutiges Auto 52 Prozent mehr Teile, während Ersatzteile um ein Viertel teurer geworden sind. Dadurch kann die Reparatur eines Multimediaschirms in einem durchschnittlichen Fahrzeug der 35.000-Euro-Klasse bis zu 13.000 Euro kosten.

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Ein simpler Auffahrunfall führt schnell zum Totalschaden

Als Inhaber der Werkstatt Cardiocar sieht Sendín durchaus die Vorteile der neuen Technik. „Autos sind sicherer, komfortabler und dank der Fortschritte bei Fahrassistenz- und Sicherheitssystemen einfacher zu fahren“, so der Mechaniker. Daran hänge seiner Meinung nach jedoch ein stolzes Preisschild, das erst sichtbar wird, wenn etwas kaputt geht.

„Ersatzteile sind exorbitant teuer. Ein Multimediabildschirm kann zwischen 9.000 und 10.000 Euro kosten und ein Matrix-LED-Scheinwerfer bis zu 2.500 Euro. Das bedeutet, dass selbst ein einfacher Frontalaufprall, bei dem zwei Scheinwerfer und die Airbags auslösen, oft als wirtschaftlicher Totalschaden gewertet wird“, erklärt Sendín. Zum Vergleich: Laut dem deutschen ADAC kostet ein kleiner Zusammenstoß mit einem modernen Durchschnittsauto schnell 3.000 Euro allein an Materialkosten.

Unabhängige Werkstätten haben natürlich ein Interesse daran, Markenvertragshändler als teuer darzustellen, wenngleich Praxisbeispiele in Foren in die gleiche Richtung weisen. Gleichzeitig musste laut der Beratungsgesellschaft Roland Berger, die Werkstätten in 13 Ländern untersuchte, fast die Hälfte dieser Betriebe im vergangenen Jahr Aufträge an Fahrassistenzsystemen ablehnen, da Know-how oder das nötige Equipment fehlten.

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Das Display ist das Nervenzentrum des Autos

Dass die italienische Rechnung kein Ausreißer ist, zeigt der spanische Demontagebetrieb Motocoche Auto Dismantlers, der 11.800 Euro für denselben Bildschirm aufruft. Auf Reddit klagte ein Nutzer bereits zuvor über umgerechnet mehr als 9.000 Euro für eine komplette Display-Reparatur an einem Kia Niro PHEV aus dem Jahr 2018.

Warum ein solcher Eingriff so viel kostet, erklärt ein Mechaniker: „Es ist nicht einfach damit getan, das alte Display auszubauen und das neue einzusetzen. Bei diesem Range Rover mussten wir das neue Display in Empfang nehmen, die Originaleinheit vorsichtig demontieren, die Installation durchführen, alles konfigurieren und prüfen, ob jedes Detail wie vorgesehen funktioniert. Dieser Prozess dauerte fast acht Stunden, um ein perfektes Ergebnis ohne jegliche Improvisation zu garantieren“, so der Fachmann.

Auch in den Niederlanden merken Autofahrer, dass die Instandsetzung nach Schäden immer teurer wird. Laut einer ADAC-Untersuchung, auf die sich der ANWB bezieht, bilden Sensoren und Kameras den größten Kostenfaktor bei Alltagsschäden. Sendín rät Käufern, sich nicht blind von der Technik blenden zu lassen, sondern sich vorab über die Reparaturkosten anfälliger Komponenten zu informieren. Preislisten stehen nämlich selten online, weshalb viele Autofahrer erst beim Kostenvoranschlag einen Schock bekommen.

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