Formel 1

Fast 20 Jahre später: Das Urteil gegen Michael Schumacher

Fast 20 Jahre später: Das Urteil gegen Michael Schumacher

Enger Schumacher-Vertrauter bricht sein Schweigen.

Fast zwei Jahrzehnte lang hielt Ferrari schützend die Hand über ihn. Nun hat Jean Todt über zwei der dunkelsten Kapitel in der Karriere von Michael Schumacher ausgepackt.

Der ehemalige Ferrari-Teamchef und Ex-FIA-Präsident räumt nun unumwunden ein, dass der siebenmalige Weltmeister in entscheidenden Momenten bewusst über das Limit hinausging und ihn dies zwei Titel kostete.

Im High Performance-Podcast gab Todt seine gewohnte Verteidigungslinie auf. Über das Qualifying in Monaco 2006, bei dem Schumacher seinen Ferrari absichtlich in der Rascasse-Kurve abstellte, um Fernando Alonso bei dessen letzter schnellen Runde zu sabotieren, äußert er sich nun glasklar.

„2006 in Monaco hat er im Qualifying gegen Alonso absichtlich einen Dreher provoziert.”

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Verteidigung der Fakten nicht länger haltbar

„Er musste vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen und das hat ihn die Weltmeisterschaft gekostet,” so Todt.

Damals klang das noch ganz anders. Nach der Strafe durch die Stewards reagierte Ferrari wütend, und Todt persönlich leistete erbitterten Widerstand.

„Wir sind mit dieser Entscheidung absolut nicht einverstanden,” ließ er damals protokollieren.

Dass diese Verteidigung nun als unhaltbar gilt, räumt der ehemalige Teamchef durch seine neue Darstellung der Fakten implizit ein.

Noch weitreichender sind die Worte von Todt über Jerez 1997. Im Titelkampf gegen Jacques Villeneuve versuchte der Kanadier Schumacher zu überholen, woraufhin der Deutsche sein Lenkrad in dessen Richtung einschlug.

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Villeneuve kam mit dem Schrecken davon, doch Schumacher flog von der Bahn. Ferrari und Todt zogen damals für ihren Piloten in die Schlacht. Heute schlägt er andere Töne an.

„Wir haben die Meisterschaft im letzten Rennen wegen dieses kontroversen Überholmanövers verloren.”

„Michael hat einen Fehler gemacht. Er hat die Kollision absichtlich herbeigeführt, aber er hat es schlecht gemacht,” sagt Todt.

Beide Vorfälle betrachtet Todt heute als selbstverschuldete Wunden, die Schumacher zwei zusätzliche Titel kosteten – zusätzlich zu den sieben, die er tatsächlich gewann. Die Bescheidenheit in diesem Geständnis ist bemerkenswert für jemanden, der seine gesamte Laufbahn dem Schutz der Scuderia und ihres Star-Piloten gewidmet hat.

Doch Todt liefert auch Kontext. Er beschreibt Schumacher als einen Fahrer, der in der Hitze des Gefechts eher von Emotionen als von eiskalter Berechnung übermannt wurde.

„Es war einfach pure Emotion. Deshalb muss man sehr milde sein, wenn man jemanden in Action beurteilt.”

„Am Tisch lässt sich leicht sagen, was jemand hätte tun sollen. Aber in der Hitze des Augenblicks reagiert das Gehirn anders,” so der Franzose.

Abseits der Kontroversen zeichnet Todt auch ein menschlicheres Porträt seines ehemaligen Schützlings, der von 1996 bis 2006 für Ferrari fuhr.

„Michael ist jemand, der ziemlich verletzlich ist. Er glaubt keineswegs, dass er alles besser weiß als andere.”

Diese Beschreibung steht im krassen Gegensatz zum öffentlichen Image des kühlen Kalkulierers, der seine Dominanz auf technischer Perfektion und mentaler Unerschütterlichkeit aufbaute.

Was ihm die Zusammenarbeit mit Schumacher persönlich gegeben hat, geht laut Todt weit über das Fachliche hinaus.

„Sehr schnell wurde aus einer professionellen Beziehung eine Freundschaft und danach fast eine familiäre Bindung.”

„Nach 1997 verstand er, dass er beschützt und geliebt wurde, und das hat alles verändert,” erklärt der Franzose.

Todt gehört zum kleinen Kreis derer, die regelmäßig über Schumachers Gesundheitszustand nach dessen schwerem Ski-Unfall im Dezember 2013 auf dem Laufenden gehalten werden.

Die Worte von Todt sind weniger ein Versuch, dem Rennfahrer Michael Schumacher etwas abzusprechen. Sie fügen vielmehr eine weitere Ebene zu einem ohnehin komplexen Porträt hinzu.

Das Bild eines siebenmaligen Champions, der auch zu Fehlern fähig war, die seiner eigenen Legende schadeten, der aber ungeachtet dessen von seinem Team und seinem Umfeld mit aufrichtiger Zuneigung umgeben war.

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