Formel 1

„Audi musste Jonathan Wheatley ziehen lassen“

„Audi musste Jonathan Wheatley ziehen lassen“
Autodromo Enzo e Dino Ferrari, Imola, Italy.15.May.2025; Jonathan Wheatley of Great Britain and Stake F1 Team Kick Sauber during Formula One Emilia Romagna Grand Prix

Wheatley-Aus bei Audi: Was von außen wie ein Paukenschlag wirkte, war intern längst unausweichlich.

Das Zerwürfnis zwischen Jonathan Wheatley und Mattia Binotto hat sich weitaus länger abgezeichnet, als Audi offiziell zugeben wollte. Während das Team offiziell von persönlichen Gründen für Wheatleys Abschied sprach, verdichteten sich schnell die Anzeichen, dass das Verhältnis zwischen den beiden bereits seit Monaten extrem belastet war.

Einem Bericht der Bild zufolge lag die eigentliche Ursache für Wheatleys Abgang weniger in seinem Wunsch, nach England zurückzukehren, sondern vor allem in den anhaltenden Differenzen mit Mattia Binotto.

Die Dynamik zweier starker Persönlichkeiten, die jeweils ihren eigenen Einflussbereich verteidigten, führte zu wiederkehrenden Spannungen. Diese blieben auch den Teammitgliedern nicht verborgen und drangen schließlich bis zu Audi-CEO Gernot Dollner durch.

Dollner hatte die unhaltbare Situation bereits im Laufe des Jahres 2025 erkannt, konnte jedoch keinen der beiden kurzfristig entlassen, ohne ein kostspieliges Eingeständnis hinsichtlich seiner eigenen Personalentscheidungen zu machen – schließlich hatte er Binotto und Wheatley unabhängig voneinander verpflichtet.

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Eine Ankündigung hätte einen Schatten geworfen

Der endgültige Bruch erfolgte beim Grand Prix von Australien. Wie Autosport Japan berichtet, brachte der Samstag in Melbourne das Fass zum Überlaufen. Eine heftige Auseinandersetzung machte deutlich, dass eine weitere Zusammenarbeit ausgeschlossen war.

Da Dollner jedoch persönlich im Albert Park anwesend war, um Audis ersten Grand Prix als Werksteam beizuwohnen, konnte das Team die Trennung nicht sofort verkünden. Eine öffentliche Bekanntgabe hätte das Debütwochenende überschattet.

Wheatley blieb daher noch einige Tage im Amt, bevor die Nachricht veröffentlicht wurde. Ex-Pilot Ralf Schumacher zweifelte offen an Binottos Darstellung, wonach ihn der Abschied völlig unvorbereitet getroffen habe.

„Ich nehme es Binotto nicht ganz ab, wenn er sagt, er hätte nicht gewusst, dass Wheatley unzufrieden war.“

„Binotto will nun alle Entscheidungen selbst treffen, und das war meiner Meinung nach das Problem“, so Schumacher.

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Binotto selbst beharrte darauf, dass ihn die Neuigkeit überrascht habe.

„Alles ging sehr schnell. So läuft es manchmal. Am vergangenen Freitag informierte uns Jonathan, dass er sich langfristig nicht mehr binden kann.“

„Es gab persönliche Gründe, die wir hier nicht im Detail besprechen können. Wir respektieren seine Entscheidung“, erklärte Binotto gegenüber der offiziellen F1-Plattform in Suzuka.

„Ich hatte das nicht kommen sehen. Jonathan war immer sehr auf seine Aufgaben fokussiert und hat alles für das Team gegeben.“

Die Frage nach der Nachfolge Wheatleys liefert eine bemerkenswerte Antwort. Binotto hat mittlerweile klargestellt, dass Audi keinen neuen Teamchef von außen sucht.

„Ich übernehme die Position selbst und reorganisiere mich und das Team“, so Binotto.

Dies widerspricht den Erwartungen vieler Experten und wirft Fragen über die internen Machtverhältnisse auf. Iñaki Rueda, ein Vertrauter Binottos, soll zum stellvertretenden Teamchef befördert werden, wird Berichten zufolge jedoch keine neuen Befugnisse über seine aktuelle Rolle hinaus erhalten.

Binotto sucht keinen Partner mit Autonomie, sondern jemanden, der seine Anweisungen umsetzt, wenn er selbst nicht bei den Rennen vor Ort ist.

Juan Pablo Montoya plädierte derweil dafür, dass Audi Christian Horner verpflichten sollte, und verwies auf die Erfolgsbilanz des Red Bull-Teamchefs. Binotto wischte diese Option jedoch vom Tisch.

Spekulationen über andere Kandidaten wie Allan McNish, der von Kommentator Will Buxton als Ideallösung bezeichnet wurde, bleiben vorerst unbestätigt.

Die erzwungene Pause durch die Absage der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien verschafft Audi zusätzliche Zeit, die interne Struktur neu zu ordnen. Binotto konnte der Situation sogar etwas Positives abgewinnen.

„In gewisser Weise ist es gut, dass die beiden Rennen abgesagt wurden.“

„Es gibt uns als Team mehr Zeit zum Nachdenken, und hoffentlich reisen wir besser vorbereitet nach Miami“, so der Italiener.

Sportlich gesehen hat Audi einen schwierigen Start hinter sich. Das Team sammelte durch den neunten Platz von Bortoleto in Australien lediglich zwei Punkte. Sowohl Bortoleto als auch Hülkenberg mussten jeweils ein Rennen aufgrund technischer Probleme auslassen. Binotto räumte zudem ein, dass die Power Unit die größte Schwachstelle ist.

„Wir haben festgestellt, dass der Großteil des Rückstands auf die Top-Teams vom Motor kommt. Das kam nicht unerwartet. Wir wussten das“, erklärte Binotto.

Der Italiener nannte das ADUO-System der FIA als den Mechanismus, mit dem Audi diesen Rückstand langfristig wettmachen will. Das Jahr 2030 bleibt das erklärte Ziel, um um Weltmeisterschaften mitzufahren.

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