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Werden wir an der Zapfsäule abgezockt? Forscher äußern schweren Verdacht

Werden wir an der Zapfsäule abgezockt? Forscher äußern schweren Verdacht
Quimper, France - 30 march 2026: Fuel shortage signes on the filling station. France faces fuel crisis with empty pumps and frustrated drivers.

Wer beim Tankstopp in Deutschland auf Schnäppchenjagd geht, könnte auf einen Trick hereinfallen, der Millionen Autofahrer jährlich teuer zu stehen kommt.

Der Preis, den man in der App auf dem Smartphone sieht, verliert bei Hunderten Tankstellen oft schon innerhalb von fünf Minuten seine Gültigkeit. Eine wohlüberlegte Strategie, wie deutsche Forscher nach der Analyse von Tausenden Stationen schlussfolgern.

Gerade jetzt, da die Kraftstoffpreise aufgrund der anhaltenden Unruhen im Nahen Osten Rekordwerte erreichen, ist diese Taktik für die Verbraucher besonders schmerzhaft.

Die Plattform Benzinpreis.de hat sechs Tage lang die Preisbewegungen von rund 14.000 deutschen Tankstellen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist beachtlich: Innerhalb dieser Woche gingen 95.047 Meldungen über Preise ein, die nach Ansicht der Experten unlauter waren.

Das entspricht fast 16.000 Meldungen pro Tag. Bei 3.851 Stationen blieb ein beworbener Preis weniger als fünf Minuten gültig, bevor der Tarif wieder angehoben wurde. Laut der Plattform bedeutet dies, dass mehr als drei Viertel aller deutschen Tankstellen auf diese Taktik setzen.

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Wie der Trick funktioniert

Deutsche Tankstellen müssen jede Preisänderung an die Markttransparenzstelle melden, eine staatliche Einrichtung, welche die Daten sammelt und veröffentlicht.

Über diesen Weg füttern Apps wie Tankerkönig, Clever-Tanken und ADAC Spritpreise ihre Datenbanken mit aktuellen Preisen. Die Regeln des Bundeskartellamts schreiben vor, dass eine Änderung innerhalb von fünf Minuten gemeldet werden muss. In genau dieser kurzen Zeitspanne liegt die Lücke, welche die Tankstellenbetreiber ausnutzen.

Eine Preissenkung geben die meisten Stationen sofort an die Datenbank weiter, damit der attraktive Preis umgehend in allen Apps erscheint. Eine Preiserhöhung wird hingegen erst am Ende des Fünf-Minuten-Fensters gemeldet. So lockt die Tankstelle Kunden mit einer günstigen Zahl auf der digitalen Anzeige an, nur um den Preis wieder nach oben schnellen zu lassen, sobald die ersten Fahrzeuge auf das Gelände rollen.

Der Autofahrer, der seine Route basierend auf der App geplant hat, steht dann bereits mit dem Zapfhahn in der Hand an der Säule.

„Das Ziel ist es, Kunden mit einem scheinbar niedrigen Preis zu locken, um letztlich einen höheren Preis durchzusetzen, als ursprünglich angezeigt wurde“, so die Forscher von Benzinpreis.de. Sie sprechen von Irreführung und rufen Verbraucherschutzorganisationen zum Eingreifen auf. Nach der aktuellen deutschen Gesetzgebung bleibt diese Praxis formal jedoch erlaubt.

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Nicht jeder teilt das Urteil der Forscher. Der Branchenverband Fuels und Energie weist die Vorwürfe zurück und schreibt die Preissprünge dem harten Wettbewerb zwischen den Anbietern zu.

Laut dem Verband kämpfen die Tankstellen ständig um jeden Autofahrer, was zwangsläufig zu schnellen Preisschwankungen führe. Von einer bewussten Lockvogel-Strategie könne keine Rede sein. Dennoch kündigte die deutsche Aufsichtsbehörde an, eine umfassendere Untersuchung zu den Auswirkungen dieser häufigen Anpassungen auf die Verbraucher einzuleiten.

Die Zahlen zur Gesamtzahl der Änderungen sprechen eine deutliche Sprache. Im April lag die durchschnittliche Anzahl der Preisänderungen pro Station bei 22 pro Tag. Etwa acht Prozent der Tankstellen passten die Preise sogar mehr als 35 Mal pro Tag an, eine kleine Gruppe kam auf über 50 Änderungen täglich. Das ist deutlich mehr, als in jedem anderen Einzelhandelsmarkt üblich ist.

Staat greift ein

Die deutsche Regierung hat inzwischen beschlossen einzugreifen. Seit diesem Monat dürfen deutsche Tankstellen ihre Preise nur noch einmal pro Tag erhöhen, und zwar exakt um 12:00 Uhr mittags.

Preissenkungen bleiben hingegen jederzeit zulässig. Diese Maßnahme stammt direkt aus dem österreichischen Regelwerk, wo vergleichbare Vorschriften bereits länger in Kraft sind. Für niederländische Autofahrer in der Grenzregion bedeutet dies, dass Tanken vor der Mittagszeit künftig fast immer günstiger ist als nach 12:00 Uhr.

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, warum der Eingriff notwendig war. „Wenn der Rohölpreis steigt, schießen die Kraftstoffpreise extrem schnell nach oben. Sinkt der Ölpreis, fallen die Tarife an der Zapfsäule nur langsam. Diesen Zyklus wollen wir durchbrechen“, so Reiche.

Rekordpreise durch Konflikte

Das Timing der neuen Regelung ist kein Zufall. Der Konflikt um den Iran treibt die Ölpreise weltweit nach oben, und die Niederlande spüren das mit voller Härte an der Zapfsäule.

Die durchschnittliche landesweite Preisempfehlung für Euro95 lag am 10. April 2026 bei 2,565 Euro pro Liter, während Diesel bei 2,732 Euro und LPG bei 1,343 Euro notierten. Anfang April erreichte Diesel mit 2,793 Euro sogar den höchsten jemals gemessenen Stand. Shell und BP erhöhten ihre Richtpreise auf einen Schlag um zwölf Cent pro Liter.

Für Niederländer in der Grenzregion beläuft sich der Unterschied zu deutschen und belgischen Tankstellen mittlerweile auf 20 bis 30 Cent pro Liter. Das macht bei einer vollen Tankfüllung schnell zehn bis 15 Euro aus.

Tanken mit Strategie

Auch der Wochentag spielt eine Rolle. Montag und Dienstag sind im Durchschnitt am günstigsten, da die Stationen mit attraktiven Preisen in die Woche starten wollen. Samstag ist der teuerste Tag.

Autobahntankstellen sind strukturell teurer als Stationen, die ein paar Kilometer abseits im Ort liegen. Wer günstig tanken will, meidet die Autobahn und sucht kleinere Ortschaften auf. In Belgien gibt es zudem einen gesetzlich festgelegten Höchstpreis pro Tag, den viele Stationen aktiv unterbieten, um Kunden zu gewinnen.

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