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Kleine Boxen am Bike: Sie erfüllen einen wichtigen Zweck

Kleine Boxen am Bike: Sie erfüllen einen wichtigen Zweck

Radprofi-Problematik im Paddock: Die Fahrer kennen es nur zu gut

Der öffentliche Straßenraum ist für Zweiradfahrer längst nicht immer ein sicheres Pflaster. Autos, die mit zu geringem Seitenabstand überholen, marode Fahrbahnoberflächen, Feinstaubbelastung in belebten Straßenzügen und extreme Hitze auf sommerlichen Routen gehören zum Alltag des Durchschnittsradlers.

Bisher blieben diese Erfahrungen weitestgehend subjektiv und anekdotisch. Ein Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt will dies nun ändern. Mit einer kleinen Sensorbox soll objektiv erfasst werden, an welchen Stellen es auf dem Fahrrad gefährlich oder unkomfortabel wird.

Die sogenannte Bike-Box ist ein kompaktes Gerät, das kostenlos am Fahrrad der Teilnehmer montiert wird. Studenten in Würzburg testen das System derzeit im Praxiseinsatz. Der Nutzer muss dabei nichts weiter tun, als seine gewohnten Wege zurückzulegen. Den Rest erledigt die Box.

Während der Fahrt registriert die Bike-Box automatisch die Abstände zu Hindernissen auf beiden Seiten des Rades. Das bedeutet, dass gefährliche Überholmanöver von Autofahrern, die den Sicherheitsabstand unterschreiten, mit exakten Maßen dokumentiert werden.

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Die ersten und letzten hundert Meter werden ausgeblendet

Zusätzlich messen Beschleunigungs- und Gyroskopsensoren die Qualität des Untergrunds. Eine Reihe abgesackter Pflastersteine oder ein Schlagloch, dem man in der immer gleichen Straße seit geraumer Zeit ausweicht, wird so automatisch registriert und mit den entsprechenden Standortdaten verknüpft.

Ergänzend zur Hardware ist eine Smartphone-App erforderlich, die sowohl für Android als auch für iOS verfügbar ist. Diese App sammelt zusätzliche Parameter wie die Feinstaubkonzentration in der Umgebung, die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit.

Sämtliche Messwerte werden georeferenziert, sodass im Nachgang exakt nachvollziehbar ist, an welcher Stelle der Überholabstand kritisch war oder wo die Luftqualität zu wünschen übrig ließ.

Die Forscher haben dabei auch den Datenschutz im Blick. Exakte Routenprofile werden nicht gespeichert und die Teilnehmer werden unter Pseudonymen geführt.

Zudem werden systemseitig die ersten und letzten hundert Meter jeder Fahrt aus dem Datensatz entfernt. Damit soll verhindert werden, dass Rückschlüsse auf die Privatadresse oder den Arbeitsplatz der Nutzer gezogen werden können.

Das Ziel des Projekts ist ambitioniert: Der Radverkehr soll erstmals systematisch und objektiv erfasst werden. Anstatt sich auf die subjektive Wahrnehmung einzelner Radfahrer zu verlassen, liefern die Sensoren harte Fakten, die als fundierte Basis für Verkehrsplanungen und Infrastrukturanpassungen dienen können.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC begrüßt die Initiative. Dennoch gibt es Grund zur Zurückhaltung. Vergleichbare Projekte wie der Open-Bike-Sensor zeigen, dass die Datenerhebung lediglich der erste Schritt ist und gewiss nicht die größte Hürde darstellt.

Von mehr als achtzig Gefahrenstellen durch zu enges Überholen, die in München im Rahmen eines solchen Projekts identifiziert wurden, ist bislang lediglich eine einzige baulich verändert worden. Die Problematik liegt demnach nicht am Informationsmangel, sondern an der Umsetzung der Daten in konkrete Maßnahmen.

Dies ist eine bekannte Herausforderung im Bereich Citizen Science und datengestützter Politikgestaltung. Kommunen stehen Daten, die nicht über offizielle Kanäle erhoben wurden, bisweilen skeptisch gegenüber.

Budgets für die Infrastruktur sind begrenzt und Prioritäten werden oft durch politische Abwägungen gesetzt, die nicht zwangsläufig mit den Empfehlungen der Datenlage korrespondieren.

Trotzdem stellt das Würzburger Projekt einen wertvollen Vorstoß dar, Radfahrern eine Stimme zu geben, die über bloße Beschwerden in sozialen Medien oder bei der Stadtverwaltung hinausgeht. Wer täglich im Sattel sitzt, weiß, wo die Schwachstellen liegen. Nun wird dieses Wissen messbar.

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