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Größte Rennstrecke des Landes ist insolvent: Millionen-Schulden drücken

Größte Rennstrecke des Landes ist insolvent: Millionen-Schulden drücken
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Traditionsstrecke vor dem Aus: Beliebter Kurs droht aus dem Kalender zu verschwinden.

Es war ein Traum, der 2001 auf einer der schönsten Inseln Schwedens seinen Anfang nahm. Gründer Alec Arho Havrén schuf dort seine Vision: eine Rennstrecke, inspiriert von der Nürburgring Nordschleife, mitten auf Gotland.

Mehr als zwanzig Jahre später steht genau dieses Projekt vor dem Abgrund.

Der Gotland Ring wurde am 23. Januar 2026 nach einem Eigenantrag beim zuständigen Gericht auf Gotland für insolvent erklärt. Die Gesamtschulden belaufen sich auf zwölf Millionen schwedische Kronen, was umgerechnet etwa einer Million Euro entspricht.

Der Kreis der Gläubiger ist groß, doch das schwedische Finanzamt sowie die finnische Advantage Group Oy stechen als Hauptgläubiger hervor.

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Streit mit dem Finanzamt

Das Kernproblem ist ein Steuerstreit. Die Behörde Skatteverket urteilte, dass das Unternehmen im Jahr 2025 über 2,3 Millionen Kronen zu wenig an Arbeitgeberbeiträgen abgeführt habe.

Das Finanzamt entschied, dass Beraterhonorare, die an Havréns eigene Firma Advantage Group Oy gezahlt wurden, rechtlich als Lohnzahlungen einzustufen seien. Havrén widersprach dieser Auffassung, scheiterte jedoch mit seinem Einspruch.

Zusätzlich zur finanziellen Schieflage schwelt seit geraumer Zeit ein Konflikt über die Asphaltqualität des südlichen Streckenabschnitts, der sogenannten Sydslingan.

Das schwedische Unternehmen Roma Grus führte die Asphaltierungsarbeiten aus und wurde anschließend vom Betreiber wegen Qualitätsmängeln haftbar gemacht. Dieser Prozess ist vor dem Gericht auf Gotland noch anhängig und hat in den letzten Jahren erhebliche Rechtskosten verursacht.

Das Unternehmen zählte zwölf Aktionäre, von denen zwei jahrelang für Unruhe sorgten – unter anderem durch juristische Verfahren und Untersuchungen im Zusammenhang mit der Asphalt-Thematik. Diese Kosten außerhalb des operativen Betriebs belasteten die Finanzen des Unternehmens schwer.

Um einen Eindruck der Strecke zu bekommen: Im folgenden Video stellt Koenigsegg mit dem Sadair’s Spear einen Streckenrekord auf dem Gotland Ring auf. Zeit: 2:55.88

Insolvenz

Havrén eröffnete den ersten Streckenabschnitt im Jahr 2003. Die sogenannte Nordslingan war damals 3,2 Kilometer lang und lockte von Beginn an Auto- und Motorrad-Enthusiasten aus ganz Skandinavien an.

Zwanzig Jahre später wurde die Erweiterung durch die Sydslingan abgeschlossen, wodurch die Gesamtlänge auf 7,3 Kilometer anwuchs.

Damit entwickelte sich der Gotland Ring zu einer der längsten und anspruchsvollsten Rennstrecken Europas und wurde zum festen Anlaufpunkt für Privatfahrer sowie Testteams der Industrie.

„Es ist hart und schmerzhaft“, kommentiert Havrén das Aus. „Wir haben bis zuletzt versucht, eine Finanzierungslösung zu finden.“

Dies ist übrigens nicht das erste Mal, dass eine Betreibergesellschaft des Gotland Ring Insolvenz anmelden muss. Bereits zuvor geriet eine Betreiberfirma in Schwierigkeiten, nachdem Öl aus einer Windkraftanlage auf die Strecke ausgelaufen war.

Die Sanierungskosten erwiesen sich damals als zu hoch und führten ebenfalls zu einem Insolvenzverfahren. Nach diesem Vorfall wurde ein neues Unternehmen gegründet, um den Betrieb fortzuführen. Genau dieses Muster wiederholt sich nun.

Saison findet wie geplant statt

Für Besucher und Fans gibt es jedoch gute Nachrichten. Trotz der Insolvenz der Betreibergesellschaft bleibt die Rennstrecke selbst nicht geschlossen.

Die Advantage Group Oy hat den bestehenden Betriebsvertrag zwar gekündigt, gab aber gleichzeitig bekannt, dass eine neue Betreibergesellschaft den Betrieb noch vor Beginn der neuen Saison übernehmen wird.

Die Strecke bleibt daher für Testfahrten, Trainings und Events weiterhin geöffnet.

Der Artikel wird unter dem Bild fortgesetzt.

Das populäre Sommer-Event Gotland Ring Bike Week ist für den 3. bis 5. Juli 2026 geplant und wird laut Veranstalter wie vorgesehen stattfinden. Wer bereits ein Ticket oder eine Nenngebühr bezahlt hat, muss sich keine Sorgen machen. „Wir wollen nicht, dass unsere Kunden die Leidtragenden sind“, so Havrén.

Havrén arbeitet derzeit aktiv an der Gründung einer neuen Betreibergesellschaft. Das schwedische Recht ermöglicht nach einer Insolvenz einen Neustart, und er hat bereits juristischen Rat eingeholt, um diesen Prozess so schnell wie möglich in Gang zu setzen.

Der Gotland Ring zog in den letzten Jahren auch viele Automobilhersteller an, die die Strecke für Fahrpräsentationen und Erprobungen nutzten. Die Lage auf Gotland, die Höhenunterschiede und die Kombination aus schnellen und technischen Kurven machten ihn zu einem begehrten Ort in der europäischen Automobilwelt.

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